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Hans Thirring-Nachlass ist Weltdokumentenerbe

Theoretischer Physiker, Erfinder, Schriftsteller, Politiker und Friedensaktivist – eine vielseitige Person hat einen vielseitigen Nachlass. Hans Thirrings Nachlass ist in der Zentralbibliothek für Physik der Universität Wien untergebracht – und zählt nun zum UNESCO-Weltdokumentenerbe.

Der Nachlass des österreichischen Physikers Hans Thirrings wurde kürzlich zum UNESCO-Weltdokumentenerbe erklärt.

Zu den Nachlass-Objekten, die in der Österreichischen Zentralbibliothek für Physik untergebracht sind, zählt u.a. Thirrings bahnbrechende Schrift zur "Wirkung rotierender Massen."

1992 rief die UNESCO – die Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur – das Programm "Memory of the World" ins Leben. Im Zentrum stehen dabei die Bewahrung und der nachhaltige Schutz von Dokumenten aller Art – Bücher, Manuskripte, audiovisuelle Medien – sowie der einfache Zugang zu diesem Wissen für möglichst viele Menschen.

Kulturell bedeutsam und historisch wichtig

Zu diesen schützenswerten Dokumenten zählt seit kurzem auch der Nachlass von Hans Thirring. Nachdem 2014 bereits der Erwin-Schrödinger-Nachlass in das Österreichische Nationale Memory of the World Register der UNESCO aufgenommen wurde, beherbergt die Österreichische Zentralbibliothek für Physik der Universität Wien mit dem Thirring-Nachlass bereits das zweite Weltdokumentenerbe.

Das Nationalkomitee war sich bereits im Juni 2016 einig: Der Thirring-Nachlass ist "kulturell bedeutsam und historisch wichtig". Mit 21 anderen Sammlungen und Dokumenten wurde der Nachlass am 17. November offiziell in das österreichische Register aufgenommen.

Anlässlich der Aufnahme des Nachlasses von Hans Thirring in das "Österreichische Nationale Memory of the World Register" fand am 17. November 2016 im Marchettischlössl der Österreichischen Mediathek eine feierliche Urkundenverleihung statt (von li.: Eva Nowotny, Präsidentin der Österreichsichen UNESCO-Kommission, Peter Graf, Klaus Thirring). (Foto: eSeL.at)

Seiner Zeit voraus

Hans Thirring war Physiker und 1927-1938 sowie 1946-1958 Vorstand des Instituts für Theoretische Physik an der Universität Wien. Zu seinen wichtigsten Arbeiten zählt die mit dem Mathematiker Josef Lense verfasste Vorhersage des "Lense-Thirrings-Effekts" der allgemeinen Relativitätstheorie. Was erst 2012 experimentell nachgewiesen wurde, berechneten die beiden Forscher bereits 1918: Die Einstein'sche Raumzeit verändert sich in der Nähe von großen rotierenden Massen.

Thirrings Plan für den Frieden

Hans Thirring widmete sich aber nicht nur der Physik, sondern erfand eine Methode zur Tonfilmherstellung und -wiedergabe, war Schriftsteller, SPÖ-Politiker und Friedensaktivist. Der "Thirring-Plan" ist in die Geschichte eingegangen: Thirring versuchte – wie sich zeigte erfolglos – eine "unbewaffnete Neutralität", eine einseitige Abrüstung Österreichs also, zu erreichen.

Von Pugwash nach Kitzbühel und Wien

Auf internationaler Ebene war Thirring Mitbegründer der Pugwash-Bewegung. 1957 kamen in dem kanadischen Dorf Pugwash erstmals renommierte und einflussreiche Wissenschafter zusammen, um Fragen der atomaren Bedrohung, bewaffneten Konflikten und der globalen Sicherheit zu diskutieren. Ein Jahr später gelang es Thirring, die Pugwash-Konferenz nach Kitzbühel und Wien zu bringen – im Kontext des Kalten Krieges wurde er damit zum Mittler zwischen Ost und West.

Dieses Foto entstand auf der ersten Pugwash-Konferenz 1957. Von li nach re: J. Ogawa, Chou Pei Yuan, V. P. Pavlichenko, S. Tomonaga, C.F. Powell, A. M. B. Lacassagne, A. V. Topchiev, A. M. Kuzin, E. Rabinowitch, G. Brock Chisholm, D. V. Skobeltzyn, J. S. Foster, C. S. Eaton, J. Rotblat, H. J. Muller, H. Thirring, L. Szilard, W. Selove, E. H. S. Burhop, M. L. E. Oliphant, M. Danysz.

Auf den Spuren Thirrings

Rund 50 Laufmeter Lebensdokumente, historische Fotografien, Arbeiten, Sammlungen sowie Korrespondenzen mit u.a. Albert Einstein, Max Planck, Werner Heisenberg und Thirrings Freund Erwin Schrödinger dokumentieren das Wirken von Hans Thirring. Bereits zu Lebzeiten hat Hans Thirring in seiner Funktion als Vorstand Dokumente am Institut für Theoretische Physik deponiert. Nach seinem Tod hat sein Sohn, Walter Thirring, jährlich Teile des Nachlasses an die Universität Wien übergeben und im Jahr 2008 ist der Nachlass komplett in den Besitz der Zentralbibliothek für Physik übergegangen.

Das Konvolut rund um Hans Thirring bildet seither einen der Hauptbestände des Nachlass-Archivs. NutzerInnen können sich gegen Voranmeldung auf eine Nachlese in der Zentralbibliothek für Physik begeben oder sich ganz einfach durch das Leben Thirrings klicken: Tausende Dokumente des Nachlasses wurden bereits digitalisiert und können via Phaidra oder Europeana eingesehen werden. (hm)


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